Bier ausgeben

Unter „Ein Bier ausgeben“ versteht man in der Umgangssprache, dass eine Person eine oder mehrere andere Personen zu einem Bier einlädt. Das Bier ausgeben ist ein integraler Bestandteil der deutschen Geselligkeitskultur und dient vermutlich auch dem rituellen Abbau eventuell aufkommender Aggressionen unter alkoholisierten Menschen sowie einer gewissen Verbrüderung unter fremden und sozial mitunter sehr verschiedenen Menschen.

Im deutschsprachigen Raum hat das Bier ausgeben seinen festen Platz in der Kultur der kleinen Kneipen und Bierlokale. Einem wildfremden Menschen auf der Straße wird man kaum ein Bier ausgeben, ebenso wenig an einem Zeitungskiosk, obwohl dort mitunter Männer in Jogginghosen zu begutachten sind, die morgens schon Bier trinken. Es mag auch durchaus sein, dass solche Männer einander ab und an ein Bier ausgeben, doch hat sich diese Form der Geselligkeit noch nicht gesellschaftsweit durchsetzen können.

Ein Bier ausgeben muss man in der Regel in einer kleinen Kneipe, etwa, wenn man Geburtstag hat. Hierbei handelt es sich in der Regel um eine Lokalrunde, so dass man also allen Anwesenden sowie dem Gastwirt ein Bier ausgeben muss. Das ist bei ständigem Besuch der Wirtschaft finanziell indes kein Beinbruch, da auch die anderen Stammgäste ihren Geburtstag selbstverständlich im Lokal verbringen und an ihrem jeweiligen Ehrentag ebenfalls ein Bier ausgeben.

Das Bier ausgeben ist auch sehr verbreitet an Tagen mit größeren Sportveranstaltungen. Ein Bier ausgeben muss in der Regel der Anhänger einer Mannschaft, die ein Spiel verloren hat an einen Anhänger der Mannschaft, die gewonnen hat. Falls man keinem Absteiger anhängt, gleicht sich der wirtschaftliche Schaden dieses Rituals in der Regel spätestens im Verlauf der nächsten drei Spielzeiten ebenfalls wieder aus. Fans des FC Bayern München etwa können auf diese Weise sogar viel Bier für wenig Geld erwarten, so dass es nicht erstaunt, dass dieser Verein bundesweit die meisten Anhänger hat.

In gesellschaftlich höheren Kreisen ist es dagegen weniger üblich, Bier auszugeben. Frisch implementierte Kanzler oder Minister pflegen zwar in die Kameras zu sprechen, man habe den Abend des großen Triumphs wie ein ganz normaler Mensch mit Familie und Freunden bei einem Bier zugebracht, doch scheint dies lediglich der Versuch einer unzulässigen und leicht durchschaubaren Fratternisierung mit dem Wahlvolk zu sein: Solche Leute trinken Champagner auf Staatskosten oder berauschen sich an einer kolumbianischen Volksdroge; ein Bier ausgeben tun sie jedenfalls nicht.

Auch in einem gehobenen Restaurant mit Kerzenlicht und gedämpfter Musik sollte man tunlichst von solchen Gepflogenheiten Abstand nehmen: Wer die seltene Marotte pflegt, plötzlich und unvermittelt seinem unbekannten Tischnachbarn ein Bier auszugeben, während dieser zwischen dem zweiten und dritten Gang seines Sterne-Menüs gerade seiner Angebeteten einen Heiratsantrag machen will, wird wohl bestenfalls schräge Blicke und Unverständnis ernten.

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